Krankschreibung (Sick Leave) in Deutschland
1. Gesetzliche Definition
Die Arbeitsunfähigkeit (Krankschreibung) bedeutet, dass derdie Arbeitnehmerin aufgrund einer Krankheit oder eines unverschuldeten Unfalls seine*ihre arbeitsvertraglich geschuldete Tätigkeit nicht ausüben kann.
Sie stellt eine Ausnahme vom Grundsatz „ohne Arbeit – kein Lohn“ dar, gemäß dem Gesetz über die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (Entgeltfortzahlungsgesetz – EFZG) (§ 3) (Gesetze im Internet).
2. Anzeigepflicht (Meldepflicht gegenüber dem Arbeitgeber)
Sofortige Information: Derdie Arbeitnehmerin muss den Arbeitgeber am ersten Krankheitstag so schnell wie möglich über die Arbeitsunfähigkeit informieren – mündlich oder schriftlich.
Inhalt der Meldung: Die Meldung sollte das Datum des Krankheitsbeginns und eine voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit enthalten.
Verspätete Meldung: Eine verspätete Mitteilung führt nicht automatisch zum Verlust des Anspruchs auf Entgeltfortzahlung, aber eine vorsätzliche Verletzung der Meldepflicht kann zu Verzögerungen bei der Lohnfortzahlung oder arbeitsrechtlichen Konsequenzen führen (Wikipedia).
3. Ärztliche Bescheinigung (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung)
Vorlagepflicht: Wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als 3 Kalendertage andauert, muss derdie Arbeitnehmerin dem Arbeitgeber eine ärztliche Bescheinigung (Attest) über die Arbeitsunfähigkeit vorlegen.
Elektronische Krankschreibung seit 2023: Seit Januar 2023 wird die Bescheinigung grundsätzlich direkt an die Krankenkasse übermittelt, und der Arbeitgeber ruft die Daten elektronisch bei der Krankenkasse ab (§ 5 Abs. 1a EFZG) (Wikipedia).
Frist: Fällt der 3. Krankheitstag auf einen arbeitsfreien Tag (z. B. Sonntag oder Feiertag), muss die Bescheinigung am nächsten Arbeitstag vorliegen.
4. Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
Dauer: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den vollen Arbeitslohn (Bruttogehalt) bis zu sechs Wochen (42 Kalendertage) je Krankheitsfall fortzuzahlen (§ 3 Abs. 1 EFZG) (Haufe.de News und Fachwissen).
Wartezeit: Ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung entsteht, wenn das Arbeitsverhältnis mindestens vier Wochen ununterbrochen bestanden hat (§ 3 Abs. 3 EFZG) (dbb.de).
Wiederholte Erkrankung mit derselben Diagnose: Fehlt die arbeitsunfähige Person wegen derselben Krankheit mehrfach innerhalb eines Jahres, werden diese Zeiträume zusammengerechnet, bis die Grenze von sechs Wochen erreicht ist.
5. Nach Ablauf der sechs Wochen
Krankengeld (Krankenkasse): Nach Ablauf der sechswöchigen Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber zahlt die Krankenkasse ein Krankengeld in Höhe von
70 % des beitragspflichtigen Bruttoentgelts (kurzfristige Berechnungsgrundlage) oder
90 % des Nettoentgelts,
und zwar bis zu 78 Wochen innerhalb von drei Jahren für denselben Krankheitsfall.
Die Wartezeit (Wartefrist) für denselben Krankheitsfall beginnt in der Regel neu, wenn seit dem Ende der letzten Krankengeldphase mehr als 6 Monate vergangen sind und zwischenzeitlich Arbeitsfähigkeit bestand.
6. Rechte desder Arbeitnehmersin während der Krankheit
Kündigungsschutz / Bestandsschutz: Grundsätzlich darf der Arbeitgeber dendie Arbeitnehmerin nicht willkürlich oder diskriminierend aufgrund einer rechtmäßig attestierten Krankheit kündigen. Bei längerer Krankheit gelten besondere Voraussetzungen und der Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz (KSchG), insbesondere § 1 und § 9 KSchG.
Fortlaufende Sozialversicherungsbeiträge: Während der Phase der Entgeltfortzahlung führt der Arbeitgeber weiterhin die Sozialversicherungsbeiträge (Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung) ab.
Keine Erwerbstätigkeit während der Krankschreibung: Derdie Arbeitnehmerin darf während der bescheinigten Arbeitsunfähigkeit keine konkurrierende Tätigkeit oder anderweitige Erwerbsarbeit aufnehmen, die dem Genesungsprozess widerspricht. Andernfalls kann der Anspruch auf Entgeltfortzahlung oder Krankengeld entfallen.
7. Praktische Hinweise
Informiere deinen Arbeitgeber sofort und ehrlich über deine gesundheitliche Situation und deine Arbeitsunfähigkeit.
Reiche die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung fristgerecht ein, um eine lückenlose Lohnfortzahlung sicherzustellen.
Bewahre deine Gehaltsabrechnungen (Gehaltsabrechnungen) sorgfältig auf, um deine Ansprüche nachvollziehen und kontrollieren zu können.
Nimm frühzeitig Kontakt mit deiner Krankenkasse auf, wenn absehbar ist, dass deine Krankheit länger als sechs Wochen dauert, um rechtzeitig die Auszahlung von Krankengeld zu klären.
Wenn du diese Schritte beachtest, sicherst du dir eine kontinuierliche finanzielle Absicherung im Krankheitsfall und schützt gleichzeitig deine arbeitsrechtlichen und sozialen Ansprüche auf dem deutschen Arbeitsmarkt.
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