Organisation des Totengebets in Abwesenheit (Salat al-Ghaib) in Deutschland
Ein Leitfaden für muslimische Familien, wenn der Verstorbene im Ausland beigesetzt wird
Wenn ein naher Angehöriger eines Muslims außerhalb Deutschlands beerdigt wird – im Herkunftsland oder in einem anderen Staat –, empfindet die Familie und die Gemeinde oft Trauer darüber, dass sie der Beerdigung nicht persönlich beiwohnen konnten. In solchen Fällen kommt eine edle gottesdienstliche Handlung im Islam zum Tragen, die als Salat al-Ghaib (Totengebet für den abwesenden Verstorbenen) bekannt ist. Sie ist eine legitime Möglichkeit, den Verstorbenen zu ehren und für ihn zu beten, selbst wenn der Leichnam nicht anwesend ist.
Was ist Salat al-Ghaib?
Salat al-Ghaib ist ein Totengebet, das für einen Verstorbenen verrichtet wird,
auf den an seinem tatsächlichen Bestattungsort kein Totengebet verrichtet wurde
oder dessen Angehörige und Freunde nicht in der Lage waren, an der Beerdigung teilzunehmen.
Das Gebet wird grundsätzlich wie das normale Janaza-Gebet verrichtet – jedoch ohne Anwesenheit des Leichnams.
In der Prophetenbiographie ist überliefert, dass der Prophet ﷺ das Totengebet als Salat al-Ghaib für an-Nadschaschi (den Negus) verrichtete, als ihn in Medina die Nachricht von dessen Tod in Äthiopien erreichte. Dies bildet die grundlegende religiöse Grundlage für diese Sunna.
Wann wird Salat al-Ghaib für Muslime in Deutschland verrichtet?
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Wenn der Verstorbene im Ausland beerdigt wurde, ohne dass dort ein Totengebet verrichtet wurde, oder wenn die Angehörigen nicht teilnehmen konnten.
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Wenn der Verstorbene eine bedeutende Persönlichkeit in der Gemeinde war oder eine große Familie hat, die nicht zur Grabstätte reisen kann.
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Im Falle eines plötzlichen Todes oder wenn der Leichnam ohne Abstimmung mit der Familie überführt und beerdigt wurde.
Wie wird das Gebet verrichtet? Welche Bedingungen gelten?
| Element | Erläuterung |
|---|---|
| Ort | Moschee, Gebetsraum, offener Platz oder – wenn nichts anderes möglich ist – auch zu Hause |
| Imam | Jeder muslimische, geistig zurechnungsfähige Erwachsene; es muss kein offizieller Imam sein |
| Anzahl | Es gibt keine vorgeschriebene Mindestzahl; die Verrichtung in Gemeinschaft ist jedoch empfohlen |
| Ablauf | 4 Takbira, ohne Ruku‘ und Sujud, mit Bittgebeten (Duʿa) für den Verstorbenen nach den Takbira |
Es ist keine Ausrichtung in Richtung des Grabes nötig. Man wendet sich lediglich in Richtung Qibla,
und der Name des Verstorbenen wird in der Absicht (Niyya) und in den Bittgebeten erwähnt.
Wann ist der beste Zeitpunkt für das Gebet?
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Salat al-Ghaib kann zu jeder Tageszeit verrichtet werden,
mit Ausnahme der verhassten Zeiten (makruh), etwa zur Zeit des Sonnenaufgangs und Sonnenuntergangs. -
Es ist empfehlenswert, das Gebet so bald wie möglich nach dem Tod oder der Beerdigung zu organisieren.
Praktische Tipps für die Organisation in Deutschland
Wenn die Familie des Verstorbenen ein gemeinschaftliches Salat al-Ghaib-Gebet organisieren möchte, empfiehlt es sich, folgende Schritte zu beachten:
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Abstimmung mit einer lokalen Moschee oder einem islamischen Zentrum, möglichst über den Imam oder den Vorstand.
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Bekanntgabe von Ort und Zeitpunkt des Gebets innerhalb der Gemeinde
(z. B. über WhatsApp-Gruppen, Facebook oder Aushänge in der Moschee). -
Sicherstellen, dass die Hausordnung und Rahmenbedingungen der Moschee eingehalten werden (insbesondere, falls es noch besondere Regelungen nach Corona gibt).
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Die Vorbereitung einfach und ohne zusätzliche Kosten halten:
es besteht keine Notwendigkeit für einen symbolischen Sarg oder aufwendige Zeremonien.
Wird das Gebet für den Verstorbenen angenommen, wenn es mehrfach verrichtet wird?
Ja, aus religiöser Sicht besteht kein Problem darin, Salat al-Ghaib mehrfach zu verrichten.
Dieses Gebet ist im Kern Duʿa und Barmherzigkeit für den Verstorbenen.
Die Gemeinde darf das Gebet auch dann verrichten, wenn an einem anderen Ort bereits ein Totengebet für ihn verrichtet wurde.
Viele Gelehrte erlauben sogar mehrere Gebete, insbesondere für jene,
die bei der ursprünglichen Beerdigung nicht anwesend sein konnten.
Fazit
Salat al-Ghaib ist ein würdiger und religiös anerkannter Weg, die Seele zu trösten, das Herz zu stärken und für den Verstorbenen zu beten – vor allem dann, wenn eine Teilnahme an der Beerdigung oder eine Bestattung am selben Ort nicht möglich ist.
In Deutschland kann dieses Gebet ohne großen Aufwand in Moscheen, Gebetsräumen oder sogar in den eigenen vier Wänden organisiert werden. Es ist ein Ausdruck des glaubensbasierten Zusammenhalts innerhalb der muslimischen Gemeinschaft.
Familien sollten nicht zögern, diese Praxis zu beleben; denn Bittgebete kennen keine Grenzen,
und die göttliche Barmherzigkeit erreicht den Verstorbenen – ganz gleich, wie weit die Orte voneinander entfernt sind.
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