Alles, was Sie über Islamophobie in Deutschland und staatliche Präventionsprogramme wissen müssen
Islamophobie – also Angst, Feindseligkeit oder Ablehnung gegenüber Musliminnen und Muslimen – ist ein wachsendes Phänomen in Deutschland und ganz Europa. Sie betrifft nicht nur Musliminnen und Muslime selbst, sondern greift auch die Werte einer offenen, demokratischen Gesellschaft an und wirkt sich negativ auf das friedliche Zusammenleben und das gegenseitige Vertrauen aller Menschen aus.
Um dem entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung auf Bundes- und Länderebene verschiedene Präventions- und Unterstützungsprogramme entwickelt.
Islamophobie bezeichnet Diskriminierung, Feindseligkeit oder Hass gegenüber Menschen, die dem Islam zugerechnet werden oder sich als Musliminnen und Muslime verstehen. Dazu gehören unter anderem:
Verbale und körperliche Übergriffe
Diskriminierung am Arbeitsplatz, in Ausbildung und Studium oder auf dem Wohnungsmarkt
Infragestellen der Loyalität von Musliminnen und Muslimen oder ihres Rechts auf gesellschaftliche Teilhabe
Verbreitung negativer Stereotype und falscher, verzerrter Informationen über den Islam und Menschen muslimischen Glaubens
Trotz vieler Bemühungen um Integration, Teilhabe und interreligiösen Dialog dokumentieren Polizei und zivilgesellschaftliche Stellen jedes Jahr Hunderte von islamfeindlich motivierten Straftaten.
Dazu zählen etwa:
Angriffe und Sachbeschädigungen an Moscheen und islamischen Einrichtungen
Pöbeleien, Beleidigungen und Belästigungen im öffentlichen Raum, insbesondere gegen Frauen mit Kopftuch
Drohbriefe, Hass-Mails und digitale Hetze in sozialen Medien
Die Religionsfreiheit wird durch Artikel 4 GG garantiert.
Jede Person hat das Recht, ihren Glauben frei auszuüben, unabhängig davon, ob es sich um den Islam oder eine andere Religion handelt.
Das AGG verbietet jede Form von Benachteiligung aufgrund der Religion oder Weltanschauung.
Es gilt insbesondere in den Bereichen Arbeitsleben, Wohnraum, Zugang zu Dienstleistungen, Bildung und Alltagssituationen.
Ein bundesweites Programm, das Bildungs-, Präventions- und Aufklärungsprojekte finanziell unterstützt. Ziele sind unter anderem:
Förderung einer Kultur der Toleranz und Vielfalt
Unterstützung von Schulen, Vereinen und lokalen Initiativen im Kampf gegen Hassrede, Vorurteile und Diskriminierung
Die Bundesinitiative „Demokratie leben!“ fördert Projekte, die sich gegen alle Formen von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit richten – darunter auch Islamfeindlichkeit. Dazu gehören:
Jugendprojekte und Stadtteilinitiativen
Dialog- und Bildungsangebote in Schulen, Vereinen und Gemeinden
Maßnahmen zur Stärkung demokratischer Werte und Partizipation
In den letzten Jahren hat die Bundesregierung zusätzliche finanzielle und sicherheitstechnische Unterstützung für Moscheen und islamische Gemeinden bereitgestellt, zum Beispiel durch:
Förderung von baulichen und sicherheitstechnischen Maßnahmen (z. B. Beleuchtung, Kameras, Zugangskontrollen)
Engere Zusammenarbeit mit der Polizei und Sicherheitsbehörden
Beratungsangebote zu Sicherheitskonzepten für Gemeinden
Antidiskriminierungsstellen – etwa die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und landes- bzw. kommunale Beratungsstellen – übernehmen unter anderem folgende Aufgaben:
Kostenlose, vertrauliche Beratung für Betroffene von Diskriminierung
Unterstützung bei der Einschätzung, ob ein Fall juristisch als Diskriminierung gilt
Begleitung bei rechtlichen Schritten, z. B. bei Beschwerden oder Klagen
Organisation von Informations- und Sensibilisierungskampagnen in der Öffentlichkeit
Datum, Uhrzeit und Ort genau notieren
Nachrichten, E-Mails, Bilder oder Screenshots sichern
Wenn möglich: Namen oder Kontaktdaten von Zeug/innen festhalten
Strafanzeige bei der Polizei erstatten (in Notfällen: Notruf 110)
Kontakt zur Antidiskriminierungsstelle des Bundes oder zu regionalen Antidiskriminierungsbüros aufnehmen
Muslimische oder antirassistische Vereine und Beratungsstellen vor Ort kontaktieren, die Erfahrung mit solchen Fällen haben
Psychosoziale Beratungsstellen nutzen, z. B. Migrations-, Flüchtlings- oder Opferberatungsstellen
Angebote von Moscheegemeinden, religiösen Einrichtungen oder NGOs wahrnehmen, die kostenlose Beratung und seelische Unterstützung anbieten
Islamische Organisationen, Menschenrechtsvereine und andere zivilgesellschaftliche Initiativen spielen eine wichtige Rolle, indem sie:
Übergriffe und Diskriminierungsfälle dokumentieren und veröffentlichen
Workshops und Trainings in Schulen, Vereinen und Betrieben zu Themen wie Islam, Vielfalt und Antirassismus anbieten
Netzwerke der Solidarität aufbauen, um Betroffene nicht allein zu lassen
Öffentlich gegen Islamfeindlichkeit und Hassrede Stellung beziehen
Islamophobie schadet nicht nur Musliminnen und Muslimen – sie spaltet die gesamte Gesellschaft und untergräbt das Vertrauen in demokratische Werte.
Die Bekämpfung von Islamfeindlichkeit ist daher eine gemeinsame Aufgabe:
Sie beginnt bei jeder und jedem Einzelnen – mit Bewusstsein, Respekt und Zivilcourage.
Sie setzt sich fort über staatliche Programme, Antidiskriminierungsarbeit und starke zivilgesellschaftliche Strukturen.
Wenn du von Diskriminierung betroffen bist, denke daran:
Du bist nicht allein – Recht, Gesellschaft und viele Initiativen stehen auf deiner Seite.
Islamfeindlichkeit / Islamophobie: Islamophobie / Feindseligkeit gegenüber Muslim/innen
Grundgesetz (GG): Deutsches Grundgesetz / Verfassung
Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG): Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz gegen Diskriminierung
Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Bundesweite Antidiskriminierungsstelle
Demokratie leben!: Bundesprogramm „Demokratie leben!“ zur Demokratieförderung
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