Alles, was Sie über Traumatherapie als „seelischen Ausgleich“ für Betroffene von Hasskriminalität in Deutschland wissen müssen
Der Kontakt mit Hasskriminalität – ob rassistisch, religiös oder aus anderen Motiven – hinterlässt oft nicht nur körperliche Spuren, sondern vor allem tiefe seelische Wunden, die Betroffene jahrelang begleiten können. In Deutschland gilt psychologische Unterstützung als zentraler Bestandteil der Opferrechte; eine der wichtigsten Hilfen ist die traumaspezifische Psychotherapie (Traumatherapie).
Der Begriff Traumatherapie bezeichnet eine psychotherapeutische Behandlung, die sich gezielt an Menschen mit seelischen Verletzungen (Psychotrauma) richtet. Sie soll:
belastende Gefühle und schmerzhafte Erinnerungen bearbeiten
das Gefühl von Sicherheit und Selbstvertrauen wiederaufbauen
Betroffenen helfen, den Alltag Schritt für Schritt wieder normal zu bewältigen
Opferentschädigungsgesetz (Opferentschädigungsgesetz – OEG)
Das OEG ermöglicht Opfern von Gewalttaten, finanzielle und medizinische Leistungen zu beantragen.
Dazu können auch Kosten für psychotherapeutische Behandlungen (z. B. Traumatherapie) gehören.
Es muss nicht nur ein körperlicher Schaden nachgewiesen werden – auch psychische Folgen werden als entschädigungsrelevant anerkannt.
Opferhilfefonds der Bundesländer
In vielen Bundesländern gibt es besondere Fonds zur Finanzierung von Therapiesitzungen, insbesondere nach rechtsextremer Gewalt oder rassistischen Angriffen.
1. Sofort Hilfe suchen
Wenden Sie sich zunächst an Ihre Hausärztin / Ihren Hausarzt oder an eine psychosoziale / psychologische Beratungsstelle vor Ort.
Dort können Sie eine Überweisung zu einer Psychotherapeutin oder einem auf Trauma spezialisierten Therapeuten erhalten.
2. Kontakt zu Opferberatungsstellen aufnehmen
Z. B. Weißer Ring, spezialisierte Opferhilfestellen, Flüchtlingsberatungen oder Menschenrechtsorganisationen.
Diese Einrichtungen bieten persönliche Begleitung, helfen bei der Terminorganisation und unterstützen bei Anträgen und Formularen.
3. Kostenübernahme klären
Über die Krankenkasse, wenn Sie gesetzlich oder privat versichert sind.
Über das Sozialamt, wenn keine Versicherung besteht oder Sie die Kosten nicht selbst tragen können.
Eine spezialisierte Traumatherapie bietet:
Einen sicheren, wertfreien Raum, in dem Sie belastende Erfahrungen ohne Verurteilung ansprechen können
Spezielle Verfahren wie:
Expositionstherapie (behutsame Konfrontation mit der Erinnerung an das Ereignis)
EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing – bilaterale Augenbewegungen zur Traumaverarbeitung)
Vorbeugung gegen chronische psychische Erkrankungen, etwa Depressionen oder eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Ja. Es existieren transkulturelle psychotherapeutische Angebote (Transkulturelle Psychotherapie), die:
die sprachliche und kulturelle Herkunft der Betroffenen berücksichtigen
häufig mit professionell geschulten Dolmetscher*innen arbeiten
traumatische Erfahrungen vor und nach der Flucht mitdenken
Zögern Sie nicht, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen – je früher der Beginn der Therapie, desto besser die Heilungschancen.
Bewahren Sie ärztliche Berichte, Atteste oder psychologische Gutachten auf – sie können später Ihre Entschädigungsanträge stützen.
Wenn Sie sich sprachlich unsicher fühlen, fordern Sie einen Dolmetscherin für Gespräche und Therapiesitzungen an.
Entschädigung bedeutet nicht nur Geld oder juristische Strafen für die Täter – sie umfasst auch die Fürsorge für die eigene seelische Gesundheit und für innere Wunden.
Die Traumatherapie ist ein zentraler Schritt, um nach Hasskriminalität wieder Stabilität zu finden und das eigene Leben zurückzugewinnen.
Denken Sie daran: Ihre psychische Gesundheit hat Vorrang, und es gibt ein dichtes Netz an Unterstützungsstrukturen, die bereit sind, Sie zu begleiten.
Traumatherapie: psychotherapeutische Behandlung bei Traumafolgen
Opferentschädigungsgesetz (OEG): Gesetz über Entschädigung für Opfer von Gewalttaten
Weißer Ring: Bundesweite Opferhilfeorganisation
Krankenkasse: Krankenversicherung
Psychotrauma: seelische Verletzung durch extrem belastende Ereignisse
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