Was sind Erstaufnahmeeinrichtungen (Erstaufnahmeeinrichtung)?
Erstaufnahmeeinrichtungen sind offizielle Einrichtungen der deutschen Bundesländer, die dafür vorgesehen sind, Asylsuchende in der ersten Phase nach der Registrierung aufzunehmen. Dort werden wichtige Schritte durchgeführt, zum Beispiel:
die offizielle Registrierung des Antrags
Abnahme von Fingerabdrücken und Fotos
die grundlegende medizinische Erstuntersuchung
ein erstes Gespräch (manchmal)
rechtliche und administrative Orientierung
spätere Verteilung auf andere Unterkünfte oder dezentrale Wohnungen
Die Aufenthaltsdauer ist unterschiedlich, dauert aber häufig 6 bis 18 Wochen und kann sich in besonderen Fällen verlängern.
Rechte in der Erstaufnahmeeinrichtung
Auch wenn die Unterkunft nur vorübergehend ist, hat die asylsuchende Person klare Rechte, die das deutsche Recht schützt:
1) Kostenlose Unterkunft
Die Person erhält ein Zimmer in einer Gemeinschaftsunterkunft oder eine größere Schlafhalle. Besonders in Zeiten hoher Auslastung kann es sein, dass man das Zimmer mit fremden Personen teilen muss.
2) Verpflegung oder Geldleistungen
Entweder werden Mahlzeiten täglich im Zentrum bereitgestellt,
oder die Person erhält einen monatlichen Geldbetrag, um Essen zu kaufen (je nach Regelung im Bundesland).
3) Grundlegende medizinische Versorgung
Dazu gehören:
eine medizinische Erstuntersuchung bei Ankunft
Behandlung von Notfällen
Schwangerschaftsbetreuung
Basisbehandlung chronischer Erkrankungen
Asylsuchende erhalten dafür Behandlungsscheine oder eine vorläufige Gesundheitskarte.
4) Soziale Unterstützung
Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter helfen u. a. bei:
dem Asylantrag
der Wahrnehmung offizieller Termine
dem Verständnis von Rechten und Pflichten
5) Schutz vor Gewalt und Diskriminierung
Der Staat ist verpflichtet, eine sichere Umgebung zu gewährleisten, besonders für Kinder und Frauen. Es gibt Meldemöglichkeiten bei Belästigung oder Gewalt im Zentrum.
6) Dolmetscher und Informationen in verständlicher Sprache
Offizielle Informationen sollen in einer verständlichen Sprache bereitgestellt werden; für offizielle Verfahren wird ein Dolmetscher ermöglicht.
Pflichten, die eingehalten werden müssen
1) Einhaltung der Hausordnung
Jede Einrichtung hat eine Hausordnung, die beachtet werden muss, z. B.:
feste Ruhe- und Schlafzeiten
Verbot von Lärm oder Streit
gemeinsame Nutzung von Küche, Bädern, Waschmöglichkeiten
2) Pflicht zur Wahrnehmung von Terminen
Termine beim BAMF, medizinische Untersuchungen, Gerichtstermine oder Anhörungen müssen wahrgenommen werden. Unentschuldigtes Fehlen kann zu Leistungskürzungen oder Problemen im Verfahren führen.
3) Die Unterkunft nicht ohne Erlaubnis verlassen
In einigen Bundesländern gilt in dieser Phase die Residenzpflicht: Man darf das Bundesland oder die zugewiesene Region nicht ohne Genehmigung verlassen.
4) Beteiligung an Alltagsaufgaben
In manchen Einrichtungen wird erwartet, dass Bewohnerinnen und Bewohner z. B.:
öffentliche Bereiche mit sauber halten
das eigene Zimmer sauber halten
Abläufe (Essenszeiten, Wäscheausgabe) respektieren
5) Wahrheitsgemäße Angaben
Falsche Angaben zur Identität, Herkunft oder Reise können sich negativ auf das gesamte Asylverfahren auswirken.
Herausforderungen in Erstaufnahmeeinrichtungen
Diese Phase ist wichtig, aber oft belastend. Typische Herausforderungen sind:
Überfüllung, besonders in Krisenzeiten
geringe Privatsphäre durch Mehrbettzimmer
kulturelle Unterschiede unter Bewohnern
Isolation oder psychischer Stress
Trotzdem versuchen Behörden, soziale und psychologische Unterstützung bereitzustellen – besonders für Kinder und Frauen.
Wann darf man die Erstaufnahmeeinrichtung verlassen?
Nach der Erstaufnahmephase wird die Person meist:
in kommunale Gemeinschaftsunterkünfte (Gemeinschaftsunterkunft) verlegt,
oder in bestimmten Fällen darf sie eine eigene Wohnung mieten.
Das hängt z. B. ab von:
Familiengröße
Stand des Asylverfahrens
verfügbarem Wohnraum
besonderen gesundheitlichen oder psychischen Umständen
Fazit
Die Unterbringung in einer Erstaufnahmeeinrichtung ist die erste und sensibelste Phase im Asylverfahren in Deutschland. In dieser Zeit erhält die Person staatlichen Schutz sowie grundlegende Versorgung und Unterstützung. Gleichzeitig muss sie die Hausordnung strikt einhalten und umfassend mit den Behörden zusammenarbeiten.
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