Alles, was Sie über Diskriminierung gegen Schwarze Menschen in Deutschland und die Ergebnisse des „Afrozensus“ wissen müssen
Schwarze Menschen erleben in Deutschland im Alltag in vielen Bereichen Diskriminierung – etwa im Bildungssystem, auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche oder im öffentlichen Raum. Trotz staatlicher und zivilgesellschaftlicher Bemühungen zur Bekämpfung von Rassismus ist dieses Phänomen in bestimmten gesellschaftlichen Praktiken und Verhaltensweisen weiterhin tief verankert.
Unter Anti-Schwarzem Rassismus (Anti-Schwarzer Rassismus) versteht man alle Formen von Ausgrenzung, Benachteiligung oder Gewalt, die sich gegen Menschen mit afrikanischer Herkunft oder Schwarze Personen richten – unabhängig davon, ob diese Handlungen offen oder subtil erfolgen.
Ablehnung von Bewerbungen wegen eines Fotos oder Namens, der auf eine afrikanische Herkunft schließen lässt
Übermäßige Kontrolle in Geschäften oder öffentlichen Räumen
Abwertende Kommentare oder unangenehme Fragen wie: „Wo kommst du wirklich her?“
Körperliche oder verbale Gewalt auf der Straße oder in öffentlichen Verkehrsmitteln
Grundgesetz (GG – Verfassung)
Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar und zu achten und zu schützen.
Artikel 3: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich; niemand darf wegen seiner Herkunft oder „Rasse“ benachteiligt werden.
Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
Das AGG verbietet Diskriminierung in nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens, insbesondere bei:
Einstellung und Beschäftigung
Bildung
Zugang zu Waren und Dienstleistungen
Der „Afrozensus“ ist die erste umfassende, deutschlandweite Befragung, die sich speziell auf die Lebensrealitäten und Erfahrungen von Menschen afrikanischer Herkunft bzw. Schwarzen Menschen konzentriert.
Er wurde 2020/2021 als gemeinsame Initiative von zivilgesellschaftlichen Akteur*innen und dem Deutschen Institut für Menschenrechte mit Unterstützung der Bundesregierung durchgeführt.
Dokumentation von Erfahrungen mit Rassismus und alltäglicher Diskriminierung
Erhebung von Daten zur wirtschaftlichen, bildungsbezogenen und sozialen Situation Schwarzer Menschen in Deutschland
Erarbeitung konkreter politischer Empfehlungen zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen
Über 90 % der Teilnehmenden gaben an, in ihrem Alltag bereits von rassistischer Diskriminierung betroffen gewesen zu sein.
Rund 70 % berichteten von Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt – sowohl bei der Jobsuche als auch innerhalb des Betriebs.
Etwa 56 % gaben an, in Geschäften und öffentlichen Räumen übermäßig stark sicherheitsdienstlich beobachtet worden zu sein.
Ein signifikanter Anteil äußerte wenig Vertrauen in die Fähigkeit von Polizei und Behörden, sie ausreichend zu schützen.
1. Beweise sichern
Datum, Uhrzeit, Ort und Ablauf des Vorfalls notieren
Nachrichten, Fotos oder Ton-/Videoaufnahmen – soweit möglich und zulässig – sichern
2. Beschwerde einreichen
Kontakt zur Antidiskriminierungsstelle des Bundes aufnehmen
Bei Bedrohung oder Gewalt direkt Anzeige bei der Polizei erstatten
3. Beratung und Unterstützung einholen
Kontakt zu Organisationen wie ISD Bund e.V. (Initiative Schwarze Menschen in Deutschland)
Nutzung von kostenlosen Angeboten für psychologische und rechtliche Beratung
Aufklärungs- und Sensibilisierungsprogramme in Schulen und öffentlichen Einrichtungen zur Förderung von Vielfalt
Förderung von zivilgesellschaftlichen Initiativen, die sich für die Rechte Schwarzer Menschen einsetzen
Verbesserung der Repräsentation Schwarzer Menschen in Medien, Politik und öffentlichen Institutionen
Die Diskriminierung gegen Schwarze Menschen in Deutschland stellt einen schwerwiegenden Eingriff in Grundrechte und Menschenwürde dar und erfordert ein breites gesellschaftliches Bewusstsein sowie gemeinsames Handeln.
Die Ergebnisse des „Afrozensus“ haben das Ausmaß des Problems sichtbar gemacht und zugleich der Schwarzen Community in Deutschland eine starke Stimme verliehen. Sie unterstreichen die Notwendigkeit echter und nachhaltiger Veränderungen.
Wenn du Opfer von Diskriminierung geworden bist, denk daran:
Es gibt rechtliche, gesellschaftliche und psychologische Unterstützung – schweige nicht, sondern mache von deinen Rechten Gebrauch.
Afrozensus: spezieller bundesweiter Survey zu Schwarzen Menschen
Antidiskriminierungsstelle des Bundes: Bundesstelle zur Bekämpfung von Diskriminierung
AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz): Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
Anti-Schwarzer Rassismus: Rassismus gegen Schwarze Menschen
ISD Bund e.V.: Initiative Schwarze Menschen in Deutschland
* Das Redaktionsteam der Website bemüht sich, auf Grundlage intensiver Recherchen und verschiedener Quellen möglichst genaue Informationen bereitzustellen. Dennoch können Fehler oder unsichere Angaben nicht vollständig ausgeschlossen werden. Bitte betrachten Sie die hier enthaltenen Informationen als erste Orientierung und wenden Sie sich für verbindliche Auskünfte stets an die zuständigen Fachstellen.