Was ist mit festem Zinssatz (Festzins) gemeint?
Ein fester Zinssatz (Festzins) bedeutet, dass der bei Abschluss des Finanzierungsvertrags vereinbarte Zinssatz über einen festgelegten Zeitraum unverändert bleibt. Diese Zinsbindungsfrist liegt in der Regel zwischen 5 und 20 Jahren. In dieser Zeit ändern sich die monatlichen Raten nicht – unabhängig davon, wie sich die Marktzinsen entwickeln.
Vorteile
Planungssicherheit und finanzielle Stabilität:
Die Darlehensnehmenden wissen genau, wie hoch ihre monatliche Rate ist, und können langfristig verlässlich planen.
Schutz vor steigenden Zinsen:
Wenn die Marktzinsen in Zukunft steigen, bleibt der vereinbarte Festzins gleich – die monatlichen Kosten erhöhen sich nicht.
Gefühl von Stabilität und Ruhe:
Ein fester Zinssatz schafft Verlässlichkeit und reduziert das Risiko unangenehmer finanzieller Überraschungen.
Nachteile
Höherer Einstiegszinssatz:
Der anfängliche Festzins liegt häufig über dem variablen Zinssatz.
Keine unmittelbare Beteiligung an sinkenden Zinsen:
Fallen die Marktzinsen während der Zinsbindungsfrist, profitieren die Darlehensnehmenden nicht automatisch davon. Eine Anpassung ist meist nur durch Umschuldung oder Neuverhandlung möglich.
Was ist mit variablem Zinssatz (variabler Zins) gemeint?
Ein variabler Zinssatz bedeutet, dass sich der Kreditzins in regelmäßigen Abständen – meist alle 3 oder 6 Monate – an einen Referenzzinssatz des Marktes anpasst, zum Beispiel an den Euribor.
Vorteile
Oft niedrigerer Einstiegszins:
Zu Beginn liegt der variable Zinssatz häufig unter dem vergleichbaren Festzins.
Chance, von sinkenden Zinsen zu profitieren:
Sinken die Marktzinsen, kann auch der variable Kreditzins fallen – die monatliche Rate wird günstiger.
Hohe Flexibilität:
Variabel verzinste Darlehen bieten oft mehr Spielraum für Sondertilgungen oder eine vorzeitige Rückzahlung, teilweise sogar ohne zusätzliche Vorfälligkeitsentschädigung.
Nachteile
Schwankende Monatsraten:
Die Höhe der monatlichen Belastung ist nicht konstant und kann sich regelmäßig ändern. Das erschwert eine langfristige, exakte Budgetplanung.
Risiko steigender Zinsen:
Steigen die Marktzinsen, erhöht sich auch der variable Zinssatz. Dadurch können die monatlichen Kosten deutlich höher ausfallen als ursprünglich erwartet.
Wie wählt man zwischen Festzins und variablem Zinssatz?
1. Persönliches Sicherheitsbedürfnis einschätzen
Wer Wert auf finanzielle Sicherheit und langfristig stabile Raten legt, ist mit einem Festzins in der Regel besser beraten.
Wer risikobereiter ist und mit Schwankungen umgehen kann, kann einen variablen Zinssatz attraktiv finden – insbesondere in einem Umfeld niedriger Zinsen.
2. Erwartungen zur Zinsentwicklung
Erwarten Sie steigende Zinsen, spricht viel für einen Festzins, um sich dauerhaft vor höheren Finanzierungskosten zu schützen.
Gehen Sie davon aus, dass die Zinsen niedrig bleiben oder weiter sinken, kann ein variabler Zinssatz zu spürbaren Einsparungen führen.
3. Horizont Ihrer Immobilienplanung
Wenn Sie die Immobilie nur für einen überschaubaren Zeitraum halten oder sie relativ bald wieder verkaufen möchten, kann ein variables Darlehen aufgrund seiner höheren Flexibilität und der oft erleichterten vorzeitigen Rückzahlung sinnvoll sein.
Bei langfristigen Wohn- oder Investitionsplänen kann ein solider Festzins mehr Stabilität bringen.
Ist eine Kombination aus beiden Varianten möglich?
Ja. Manche Banken bieten eine sogenannte Mischfinanzierung (Mischfinanzierung) an. Dabei wird ein Teil des Darlehens mit Festzins, ein anderer Teil mit variablem Zinssatz abgeschlossen.
Ziele dieser Kombination:
Risikostreuung: Ein Teil ist gegen steigende Zinsen abgesichert, der andere Teil kann von sinkenden Zinsen profitieren.
Mehr Flexibilität: Der variable Anteil lässt sich häufig leichter sondertilgen oder umschulden.
Wichtige Hinweise vor der Entscheidung
Holen Sie sich eine unabhängige Finanzberatung, um Ihre persönliche Situation und verschiedene Zinsszenarien durchzurechnen.
Prüfen Sie genau, wie sich mögliche Zinsänderungen auf Ihr monatliches Budget auswirken würden.
Lesen Sie den Vertrag aufmerksam – insbesondere die Regelungen zu Sondertilgungen, vorzeitiger Rückzahlung und etwaigen Zusatzgebühren.
Fazit
Die Entscheidung zwischen festem und variablem Zinssatz in Deutschland ist eine strategische Weichenstellung, die sorgfältig an Ihre finanzielle Situation, Ihr Sicherheitsbedürfnis und Ihre Erwartungen zur Zinsentwicklung angepasst werden sollte.
Es gibt keine Lösung, die für alle gleichermaßen ideal ist. Der optimale Weg hängt von Ihren persönlichen Zielen, Ihrer Risikobereitschaft und Ihrer Planungshorizont ab.
Mit einer gründlichen Analyse, realistischen Szenarien und fachkundiger Beratung können Sie eine Finanzierung wählen, die Ihnen sowohl Stabilität als auch die nötige Flexibilität für Ihre zukünftigen Pläne bietet.
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