Videodolmetschen in Notfällen
Eine technische Lösung, die Leben retten kann, wenn Sprache zur Hürde wird
In medizinischen Notfällen kann jede Sekunde den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Doch was passiert, wenn der Patient oder die Begleitperson kein Deutsch spricht? In solchen Situationen können Missverständnisse zu einer Fehldiagnose oder zu gefährlichen Verzögerungen in der Behandlung führen.
Die Lösung: Videodolmetschen – ein Instrument, das in deutschen Notaufnahmen immer wichtiger wird.
Warum ist Videodolmetschen im Notfall so wichtig?
-
Geflüchtete, Besucher oder Menschen mit geringen Deutschkenntnissen können ihre Beschwerden oft nicht präzise schildern.
-
In akuten Situationen kann man nicht auf einen Dolmetscher vor Ort warten.
-
Angehörige, die begleiten, verfügen häufig nicht über die nötigen medizinischen Fachbegriffe.
-
Automatische Übersetzungen sind medizinisch nicht zuverlässig genug und können wichtige Details verfälschen.
Hier hilft Videodolmetschen: Ein professioneller, verlässlicher und medizinisch geschulter Dolmetscher wird innerhalb von Sekunden per Live-Video zugeschaltet – über ein Tablet oder einen Computer.
Wie funktioniert der Einsatz in Krankenhäusern?
Der Arzt oder die Pflegekraft fordert den Dolmetscher über ein spezielles digitales System an (zum Beispiel Tolq, SAVD, Sprachmittler24). Der Dolmetscher erscheint sofort per Live-Video auf einem mobilen Tablet oder Computer. Dann beginnt die dreiseitige Live-Übersetzung zwischen Arzt, Patient und Dolmetscher. Der Datenschutz bleibt dabei gewahrt: Die Verbindung ist verschlüsselt, und es wird nicht aufgezeichnet.
Diese Lösung wird häufig eingesetzt in:
-
Notaufnahmen
-
Rettungswagen
-
Intensivstationen
-
Kreißsälen
-
Vergiftungsfällen, Schlaganfällen oder bei starken akuten Schmerzen
Welche Sprachen sind verfügbar?
Große Anbieter bieten Live-Dolmetschen für viele Sprachen an, unter anderem:
| Sprache | Verfügbarkeit |
|---|---|
| Arabisch | in vielen Systemen rund um die Uhr |
| Türkisch | rund um die Uhr |
| Russisch | häufig verfügbar |
| Persisch, Ukrainisch, Polnisch | je nach Anbieter |
Telefonisches Dolmetschen vs. Videodolmetschen
| Telefonisches Dolmetschen | Videodolmetschen |
|---|---|
| Nur Ton | Bild und Ton live |
| Körpersprache und Zustand sind schwer einschätzbar | Mimik und sichtbarer Zustand unterstützen die Einschätzung |
| Häufig günstiger | In komplexen medizinischen Situationen oft deutlich wirksamer |
Deshalb wird Videodolmetschen in Notfällen häufig bevorzugt.
Ist das ein Recht des Patienten oder nur eine Zusatzleistung?
Rechtlich ist ein Krankenhaus nicht ausdrücklich verpflichtet, Videodolmetschen bereitzustellen. Es ist jedoch verpflichtet, sicherzustellen, dass der Patient die Behandlung versteht (unter anderem nach § 630 BGB). Praktisch setzen viele Kliniken diese Technik bereits ein, besonders in Regionen mit vielen nicht deutschsprachigen Patienten.
Gibt es staatliche Unterstützung für diese Technik?
In einigen Bundesländern gibt es Förderungen oder Projekte, die Videodolmetschen unterstützen, zum Beispiel durch Finanzierung in ländlichen Notaufnahmen, Kooperationen mit Technik- und Gesundheitsanbietern sowie Schulungen des Pflegepersonals für die sichere Nutzung der Geräte.
Kann der Patient oder die Begleitperson selbst um Videodolmetschen bitten?
Ja. Du kannst sagen:
„Können wir bitte einen Dolmetscher per Video bekommen?“
oder:
„Ich spreche kein Deutsch – Dolmetscher bitte!“
Fazit
In Notfällen darf Sprache kein Hindernis für schnelle und korrekte Behandlung sein. Videodolmetschen ist keine Luxuslösung, sondern eine lebenswichtige Unterstützung, die die Patientensicherheit erhöhen kann. Wenn du in eine solche Situation gerätst, frage aktiv danach, denn vollständiges Verstehen ist oft der erste Schritt zur richtigen Behandlung.
ـ* Das Redaktionsteam achtet auf sorgfältige und gründliche Inhalte. Dennoch können Fehler vorkommen oder einzelne Angaben unbestätigt sein. Bitte betrachte die Informationen als erste Orientierung und wende dich für verbindliche Auskünfte stets an zuständige Stellen.