Erstens: Was ist das Ziel des Familiennachzugs-Interviews in der Botschaft?
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Sicherstellen, dass eine echte familiäre Beziehung besteht (Ehe, Vaterschaft, Mutterschaft).
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Wichtige Daten und Ereignisse prüfen (Heiratsdatum, Geburt, letztes Treffen …).
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Abgleichen, ob die Angaben mit den Unterlagen übereinstimmen, die in Deutschland eingereicht wurden.
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Sicherstellen, dass die Person in Deutschland den Wunsch hat, ihre Familienangehörigen aufzunehmen.
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Aufdecken möglicher Verdachtsmomente wie Scheinehe oder Urkundenfälschung.
Zweitens: Wer wird befragt?
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Ehefrau/Ehemann, die/der den Antrag stellt.
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Minderjährige Kinder, wenn sie ein bestimmtes Alter überschritten haben.
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In manchen Fällen wird der in Deutschland lebende Ehepartner später zu einer Bestätigungssitzung eingeladen.
Drittens: Die wichtigsten erwarteten Fragen im Interview
Zur Ehe/Beziehung:
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Wann und wo habt ihr euch kennengelernt?
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Wann wurde geheiratet und wo?
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Gab es eine standesamtliche Eheschließung oder nur eine religiöse?
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Wie verlief die Hochzeit und wer war dabei?
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Wie lange hat die Vorbereitung gedauert?
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Wann war euer letztes persönliches Treffen?
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Gibt es gemeinsame Fotos, Anrufe oder Chatverläufe?
Zum Alltag der Person in Deutschland:
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Was ist ihr/sein Beruf?
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Wo lebt sie/er und wie viele Zimmer hat die Wohnung?
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Schickt sie/er dir Geld? Wie viel?
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Gibt es gemeinsame Pläne nach dem Familiennachzug (Arbeit, Studium, Kinder …)?
Für Kinder:
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Wie heißt dein Vater/deine Mutter, die/der in Deutschland lebt?
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Wann ist er/sie nach Deutschland gegangen?
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Habt ihr Kontakt? Wie?
Die Fragen unterscheiden sich je nach Staatsangehörigkeit, Botschaft und Art der Beziehung (Ehe – Kinder – humanitärer Nachzug).
Viertens: Unterlagen, die am Tag des Interviews mitzubringen sind
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Gültiger Reisepass.
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Aktuelle biometrische Passfotos.
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Kopie des ausgefüllten und unterschriebenen Visumantrags.
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Übersetzte und beglaubigte Heiratsurkunde (bei Ehefällen).
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Übersetzte Geburtsurkunden (bei Kindern).
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Fotos und Nachweise über gemeinsamen Kontakt.
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Nachweis der Beziehung zur in Deutschland lebenden Person (Kopie des Asylbescheids, Aufenthaltstitel, Arbeitsvertrag falls vorhanden).
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Offizielle standesamtliche Heiratsurkunde, falls die Ehe nur religiös geschlossen wurde.
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In manchen Fällen: DNA-Gutachten oder zusätzliche rechtliche Erklärungen.
Fünftens: Goldene Tipps für ein erfolgreiches Interview
1. Absolute Ehrlichkeit
Jeder Widerspruch oder jede Lüge führt zu Zweifel und kann zur Ablehnung führen.
2. Gute Vorbereitung
Grunddaten wiederholen: Daten, Namen, Ereignisse, Details zur Hochzeit oder zum gemeinsamen Leben.
3. Ruhe und Konzentration
Stress vermeiden, ruhig antworten. Nicht raten, was die Sachbearbeitung hören will – ehrlich und klar bleiben.
4. Auftreten und Ernsthaftigkeit
Angemessene Kleidung, Respekt und Pünktlichkeit.
5. Stimmige Antworten
Antworten müssen mit den Angaben des Partners in Deutschland übereinstimmen (z. B. Treffen, Name des Schwiegervaters, Wohnsituation).
Sechstens: Was passiert nach dem Interview?
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Die Akte wird an die Ausländerbehörde am Wohnort der Person in Deutschland weitergeleitet.
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Die Behörde entscheidet über Zustimmung oder Ablehnung und informiert die Botschaft.
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Bei Zustimmung wird das Visum nach einigen Wochen oder nach mehreren Monaten ausgestellt – je nach Bundesland und Botschaft.
Siebtens: Häufige Ablehnungsgründe
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Zweifel an der Echtheit der Ehe (besonders bei sehr neuer Ehe oder Fernheirat).
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Widersprüchliche Aussagen beider Parteien.
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Fehlende Unterlagen oder gefälschte Dokumente.
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Überschreitung der gesetzlichen Frist nach dem Asylbescheid (3 Monate) ohne Begründung.
Fazit
Das Botschaftsinterview ist keine reine Formalität, sondern eine Prüfung der Glaubwürdigkeit der familiären Beziehung und der rechtlichen Voraussetzungen. Gute Vorbereitung, Ehrlichkeit und Abstimmung mit der in Deutschland lebenden Person erhöhen die Chance auf ein Visum deutlich.
Zögere nicht, einen Anwalt oder Organisationen wie Pro Asyl oder Diakonie zu kontaktieren, wenn du Schwierigkeiten hast – denn jeder Tag Verzögerung kann den Familiennachzug weiter hinauszögern.
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