Hausunterricht für kranke Kinder während einer langen Behandlung in Deutschland
Wie sorgt das Schulsystem dafür, dass die Bildung trotz Therapie weitergeht?
Wenn ein Kind wegen einer chronischen Erkrankung oder einer langfristigen Behandlung lange im Krankenhaus oder zu Hause bleiben muss, stehen Eltern vor einer großen Frage: Wie kann das Kind schulisch dranbleiben?
Deutschland bietet dafür eine klare und organisierte Lösung: Unterricht im Krankenhaus oder zu Hause (Krankenhausschule / Hausunterricht).
Wer hat Anspruch auf Hausunterricht?
Haus- oder Krankenhausunterricht ist möglich für Kinder:
in der Schulpflicht (Grundschule und Sekundarstufe I)
deren Erkrankung eine regelmäßige Teilnahme verhindert
deren gesundheitliche Einschränkung meist länger als 6 Wochen andauert
mit Zustimmung des/der behandelnden Arztes/Ärztin und der Schulleitung
Die deutsche Staatsangehörigkeit ist keine Voraussetzung. Auch Kinder, die zur längeren Behandlung nach Deutschland kommen, können – je nach Bundesland und Einzelfall – Unterstützung erhalten.
Was ist eine Krankenhausschule?
Die Krankenhausschule ist Unterricht, der in großen (oft universitären) Kliniken angeboten wird – durch:
Lehrkräfte, die offiziell dem Bildungssystem unterstehen
Zusammenarbeit mit Ärzt:innen und Therapeut:innen
Unterricht in kleinen Räumen oder – wenn nötig – direkt am Bett
Nach der Entlassung kann der Unterricht zu Hause als Hausunterricht fortgesetzt werden – über die Stammschule oder über Lehrkräfte, die das Schulamt organisiert.
Wie beantragt man Hausunterricht?
Typische Schritte:
Ärztliche Bescheinigung, die die voraussichtliche Dauer der Schulunfähigkeit beschreibt
Schriftlicher Antrag der Eltern bei der Schule oder dem Schulamt
Zustimmung der behandelnden Ärzt:innen
Erstellung eines individuellen Förderplans (Förderplan)
Auch Jugendamt oder der Sozialdienst im Krankenhaus können bei der Koordination helfen.
Wer unterrichtet das Kind?
pädagogisch ausgebildete Lehrkräfte mit Erfahrung im Umgang mit kranken Kindern
häufig mit Wissen über chronische Erkrankungen und ihre psychischen Auswirkungen
enge Abstimmung mit der Stammschule, um zentrale Inhalte abzudecken
Wie viele Stunden Unterricht pro Woche?
| Alter / Stufe | Unterrichtsstunden pro Woche |
|---|---|
| Grundschule | 5–10 Stunden |
| Sekundarstufe | 8–15 Stunden |
| Abschlussklassen (z. B. Abitur) | je nach Fall, bis zu 20 Stunden |
Die Belastung wird immer an den Gesundheitszustand und die Tagesform des Kindes angepasst.
Welche Fächer werden unterrichtet?
Deutsch
Mathematik
weitere Kernfächer je nach Jahrgang
in manchen Fällen: Fremdsprache oder Naturwissenschaften
Grundprinzip: Flexibilität und schrittweises Vorgehen.
Wird Hausunterricht offiziell anerkannt?
Ja. Hausunterricht:
ist in jedem Bundesland durch das Bildungsministerium anerkannt
gilt nicht als Schulabbruch
kann als schulische Teilnahme gewertet werden
verhindert nicht die Teilnahme an Abschlussprüfungen, wenn die Inhalte erfüllt werden
Was gilt für Kinder, die zur Behandlung nach Deutschland kommen?
Bei längerer Behandlung (z. B. über 3 Monate) kann man:
temporären Unterricht über eine lokale Schule oder Klinik anfragen
an kleinen Unterrichtsprogrammen im Krankenhaus teilnehmen
parallel mit der Schule im Heimatland über Online-Unterstützung zusammenarbeiten
Eltern sollten möglichst früh Kontakt mit dem Schulamt oder der örtlichen Schule aufnehmen.
Wer organisiert Hausunterricht in den Bundesländern?
Jedes Bundesland (z. B. NRW, Bayern, Berlin) regelt das über:
Schulamt oder Bezirksregierung
spezielle Teams für Kinder mit gesundheitlichen Einschränkungen
häufig offizielle Webseiten mit Formularen und Anleitungen
Fazit
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Hat ein krankes Kind Anspruch auf Unterricht? | Ja – im Krankenhaus oder zu Hause |
| Sind die Lehrkräfte offiziell? | Ja – pädagogische Fachkräfte |
| Ist es kostenlos? | Meist ja (für reguläre Schüler:innen) |
| Was ist mit Behandlungsgästen aus dem Ausland? | Teilweise möglich – je nach Bundesland |
| Bleiben Abschlüsse möglich? | Ja – bei Erfüllung der Kerninhalte |
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