Die Krankschreibung in Deutschland: Rechte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Detail
Die Krankschreibung bzw. Arbeitsunfähigkeit ist in Deutschland ein gesetzlich geschütztes Recht. Arbeitsrecht und gesetzliche Krankenversicherung regeln genau, wie die Interessen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber ausgewogen werden sollen.
1. Wann hast du Anspruch auf eine Krankschreibung?
Du hast Anspruch auf eine ärztliche Krankschreibung, wenn:
-
du an einer körperlichen oder psychischen Erkrankung leidest,
die dich daran hindert, deine Arbeit auszuüben, -
du deinen Arbeitgeber sofort am gleichen Tag informierst
(am besten vor Beginn der Arbeitszeit), -
du eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vom Arzt vorlegst,
wenn deine Erkrankung länger als 3 Kalendertage dauert
(einige Arbeitgeber verlangen sie bereits ab dem 1. Tag).
2. Welche Rechte hat der Arbeitnehmer?
| Recht | Erläuterung |
|---|---|
| Fortzahlung des Entgelts | Der Arbeitgeber zahlt bis zu 6 Wochen den Lohn / das Gehalt in voller Höhe (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall). |
| Übergang ins Krankengeld | Nach 6 Wochen zahlt die Krankenkasse Krankengeld: meist 70 % des Bruttogehalts, maximal 90 % des Nettogehalts. |
| Schutz vor Kündigung nur wegen Krankheit | Eine Kündigung nur aufgrund der Krankheit ist in der Regel unzulässig und nur in komplizierten, langwierigen Ausnahmefällen möglich. |
| Schutz der medizinischen Privatsphäre | Der Arbeitgeber darf nicht wissen, welche Krankheit du hast – nur, wie lange du voraussichtlich ausfällst. |
| Krankschreibung aus dem Ausland | Auch im Ausland ist eine Krankschreibung möglich, aber nur unter besonderen Voraussetzungen und mit sofortiger Information an Arbeitgeber und Krankenkasse. |
3. Welche Rechte hat der Arbeitgeber?
| Recht | Erläuterung |
|---|---|
| Verlangen einer AU-Bescheinigung | Der Arbeitgeber kann laut Betriebsregelung eine Krankschreibung ab dem 1. Tag verlangen. |
| Keine Lohnzahlung nach 6 Wochen | Nach 6 Wochen endet die Lohnfortzahlung; danach zahlt die Krankenkasse (Krankengeld). |
| Überprüfung der Arbeitsunfähigkeit | Bei Zweifeln kann der Arbeitgeber über die Krankenkasse den Medizinischen Dienst einschalten, um die Krankschreibung prüfen zu lassen. |
| Disziplinarmaßnahmen bei Missbrauch | Stellt sich heraus, dass der Arbeitnehmer gar nicht krank war (z. B. Nebenjob während der Krankschreibung), sind Abmahnung oder sogar Kündigung möglich. |
4. Wie wird die Krankschreibung übermittelt (eAU)?
Seit 2023 erfolgt die Übermittlung der Arbeitsunfähigkeitsdaten in der Regel elektronisch:
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Der Arzt sendet die eAU (elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) direkt an die Krankenkasse.
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Der Arbeitgeber ruft die Daten digital bei der Krankenkasse ab.
Wichtig für dich als Arbeitnehmer:
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Du bist trotzdem verpflichtet, deinen Arbeitgeber rechtzeitig zu informieren (z. B. telefonisch oder per Mail).
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Du kannst auf Wunsch eine Papierbescheinigung für deine Unterlagen erhalten.
5. Krankheit während des Urlaubs (Erholungsurlaub)
Wenn du während eines genehmigten Urlaubs krank wirst:
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Tage, die durch eine gültige Krankschreibung abgedeckt sind, gelten nicht als Urlaubstage.
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Du musst deine Firma sofort informieren und die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (ggf. aus dem Ausland) zuschicken.
6. Wichtige Hinweise rund um die Krankschreibung
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Krankschreibung heißt nicht Bettruhe rund um die Uhr:
Spazierengehen oder leichte Freizeitaktivitäten können erlaubt sein,
solange sie die Genesung nicht verzögern. -
Auslandsreise während Krankheit:
Reisen ins Ausland während der Krankschreibung sind in der Regel nur mit Zustimmung der Krankenkasse zulässig. -
Mehrere Jobs:
Je nach Art der Erkrankung kann es sein, dass du in einem Job arbeitsunfähig, im anderen aber noch einsatzfähig bist (z. B. körperliche Arbeit vs. Bürotätigkeit).
7. Zusammenfassung: Arbeitnehmer vs. Arbeitgeber
| Arbeitnehmer | Arbeitgeber |
|---|---|
| Hat Anspruch auf Lohnfortzahlung bis zu 6 Wochen | Darf eine AU-Bescheinigung ab dem 1. Tag verlangen |
| Erhält danach Krankengeld von der Krankenkasse | Kann die Arbeitsunfähigkeit durch den Medizinischen Dienst prüfen lassen |
| Muss Krankheitsdiagnose nicht offenlegen | Darf bei begründetem Verdacht auf Missbrauch reagieren |
| Ist nicht leicht allein wegen Krankheit kündbar | Darf Maßnahmen setzen, um Arbeitsabläufe zu sichern |
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