Versand traditioneller Kleidung (Jalabiya, Abaya) nach Deutschland: Wann fordert der Zoll den „Nachweis Eigenbesitz“?

Versand traditioneller Kleidung (Jalabiya, Abaya) nach Deutschland: Wann verlangt der Zoll das Dokument „Nachweis Eigenbesitz“?

Der Versand von traditioneller Kleidung wie Jalabiyas und Abayas aus arabischen Ländern nach Deutschland nimmt zu – sei es zur privaten Nutzung oder als Geschenke für Familie und Freunde. Dennoch kommt es vor, dass der deutsche Zoll für solche Sendungen das Dokument „Nachweis Eigenbesitz“ (Nachweis des persönlichen Eigentums) verlangt. Das kann zu Verzögerungen oder sogar zu Zoll- und Steuerforderungen führen.

In diesem Beitrag erklären wir, wann und warum der Zoll dieses Dokument fordert und wie du es vorbereiten kannst.

1. Was ist der „Nachweis Eigenbesitz“?

Der „Nachweis Eigenbesitz“ ist ein Dokument oder eine Erklärung, die dem Zoll vorgelegt wird, um zu bestätigen, dass die versandte Kleidung:

  • dir persönlich gehört und nicht zum Weiterverkauf bestimmt ist,

  • bereits benutzt wurde oder für den persönlichen Gebrauch angeschafft wurde und keine Neuware in Handelsmengen darstellt,

  • als private Sendung und nicht als Handelssendung einzustufen ist.

2. Wann verlangt der Zoll dieses Dokument?

Der Zoll kann einen Nachweis Eigenbesitz unter anderem in folgenden Situationen verlangen:

  • Wenn größere Mengen an traditioneller Kleidung eingeführt werden, die den Verdacht wecken, dass sie für den Handel und nicht nur für den Eigenbedarf bestimmt sind (z. B. mehrere identische Stücke).

  • Bei Post- oder Kuriersendungen, wenn der Warenwert die Freigrenzen übersteigt (in der Regel 430 € bei Flugreisen bzw. 300 € bei Einreise zu Land).

  • Wenn die Kleidung offensichtlich neu und ungetragen ist, sodass der Zoll einen kommerziellen Hintergrund vermutet.

  • Wenn häufig und wiederholt größere Mengen desselben Kleidungstyps an dieselbe Person gesendet werden.

3. Wie kannst du den „Nachweis Eigenbesitz“ erbringen?

Du kannst einen oder mehrere der folgenden Nachweise beilegen oder auf Anfrage einreichen:

  • Fotos, auf denen du oder deine Angehörigen die Kleidung bereits im Alltag oder bei Anlässen tragen.

  • Ältere Kaufbelege oder Quittungen, aus denen der Kaufzeitpunkt und ggf. der persönliche Gebrauch hervorgehen.

  • Eine schriftliche Erklärung (formloses Schreiben), in der du den Zweck der Kleidung erläuterst (z. B. Familienkleidung, persönliche Festkleidung, Geschenke ohne Verkaufsabsicht).

  • Eine Bescheinigung einer Organisation oder Wohltätigkeitsvereins, wenn die Kleidung für Spendenzwecke bestimmt ist.

4. Welche Folgen hat es, wenn kein Nachweis vorgelegt wird?

Bei fehlendem oder unzureichendem Nachweis Eigenbesitz kann es zu:

  • Verzögerungen bei der Zollabfertigung kommen (teilweise mehrere Wochen),

  • der Erhebung von Zöllen und Einfuhrumsatzsteuer auf die gesamte Sendung,

  • im Extremfall zur Beschlagnahme, Rücksendung an den Absender oder Behandlung der Sendung als gewerbliche Einfuhr ohne Anmeldung kommen.

5. Tipps, um die Forderung nach „Nachweis Eigenbesitz“ zu vermeiden

  • Versende nur angemessene, kleine Mengen, die klar als Privatgepäck oder Familienbedarf erkennbar sind.

  • Vermeide es, viele identische Stücke in einem einzigen Paket zu kombinieren.

  • Trage in der Inhaltsbeschreibung der Sendung eine klare Formulierung ein, z. B.:
    Persönliche traditionelle Kleidung für den Familiengebrauch“.

  • Bewahre Kopien von Rechnungen, Quittungen oder Fotos auf, damit du sie im Bedarfsfall dem Zoll vorlegen kannst.

6. Zusammenfassung

Situation Fordert der Zoll „Nachweis Eigenbesitz“? Empfehlung
Kleine Menge für persönlichen Gebrauch In der Regel nein Keine besondere Dokumentation nötig
Große oder komplett neue Sendung Häufig ja Nachweise über Eigentum/Nutzung vorbereiten
Wiederholte Sendungen größerer Mengen Sehr wahrscheinlich ja Unterlagen bereithalten und Zweck klar erläutern

Wenn du diese Hinweise beachtest, kannst du Verzögerungen, zusätzliche Kosten und Missverständnisse mit dem Zoll weitgehend vermeiden – und dafür sorgen, dass deine traditionelle Kleidung sicher und ohne größere Probleme in Deutschland ankommt.

Das Redaktionsteam achtet darauf, durch gründige Recherchen möglichst korrekte und aktuelle Informationen bereitzustellen. Dennoch können Fehler oder Unvollständigkeiten nicht ausgeschlossen werden. Die Inhalte dieses Artikels dienen daher als erste Orientierung; für verbindliche Auskünfte solltest du dich immer an die zuständigen Zoll- und Behördenstellen wenden.


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