Eine eigene Arztpraxis in Deutschland eröffnen (Niederlassung als Vertragsarzt oder Privatarzt) ist für viele Ärztinnen und Ärzte nach dem Abschluss der Facharztausbildung ein Traum. Dieser Schritt erfordert jedoch eine sorgfältige Planung und die Einhaltung klarer rechtlicher und administrativer Verfahren. Hier ist ein umfassender Leitfaden Schritt für Schritt:
Schritt 1: Eignung prüfen
Bevor du startest, stelle sicher, dass du:
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eine Approbation (dauerhafte Berufsausübungserlaubnis) besitzt
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die Facharztausbildung (Facharzt-Weiterbildung) abgeschlossen hast
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ein gutes Niveau in der deutschen Sprache hast (C1 empfohlen)
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einen Aufenthaltstitel hast, der eine selbstständige Tätigkeit (Freiberufliche Tätigkeit) erlaubt
Schritt 2: Art der Praxis festlegen
| Typ | Erklärung |
|---|---|
| Vertragsarzt | Arzt mit Zulassung für die gesetzliche Krankenversicherung (behandelt GKV-Patienten) |
| Privatarzt | Nur privat (behandelt Selbstzahler oder PKV-Patienten) |
| MVZ oder Praxisgemeinschaft | Medizinisches Versorgungszentrum oder Gemeinschaft/Kooperation mit anderen Ärzten |
Hinweis: Wenn du GKV-Patienten behandeln willst, brauchst du eine Zulassung von der KV (Kassenärztliche Vereinigung).
Schritt 3: Standort und Fachgebiet wählen
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Prüfe in der KV-Datenbank, ob die Region für dein Fachgebiet offen oder gesperrt ist (Bedarfsplanung).
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Der Standort beeinflusst Finanzierung, Nachfrage und Patientenzahl.
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Prüfe Konkurrenz und Anzahl der Ärztinnen/Ärzte im gleichen Fachgebiet in der Region.
Schritt 4: Praxis anmieten oder einrichten
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Wähle einen geeigneten und rechtlich zulässigen Standort für Praxen (in bestimmten Gebieten erlaubt).
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Statte die Praxis mit zugelassenen Geräten gemäß dem Gesetz für Medizinprodukte (MPG) aus.
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Stelle sicher, dass technische Anforderungen erfüllt sind (Untersuchungsräume, Wartebereich, geeignetes WC usw.).
Schritt 5: Rechtliches und Registrierungen
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Anmeldung der freiberuflichen Tätigkeit als Freiberufler beim Finanzamt
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Registrierung bei der KV (Kassenärztliche Vereinigung), wenn du GKV-Patienten behandelst
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Anmeldung bei der Ärztekammer und Fortführung der Berufshaftpflicht (Berufshaftpflichtversicherung)
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Mitteilung an das Gesundheitsamt über die Praxiseröffnung
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Beantragung der Lebenslangen Arztnummer (LANR) und des Institutionskennzeichens (IK)
Schritt 6: Finanzierung und Kosten
| Posten | Schätzung |
|---|---|
| Praxisausstattung | 30.000 – 100.000 Euro |
| Berufshaftpflicht | 500 – 1.500 Euro/Jahr |
| Buchhaltung & Software | 1.000 – 3.000 Euro |
| Gehälter für Assistenzkräfte | je nach Anzahl |
| Miete | je nach Stadt |
Du kannst ggf. Finanzierung beantragen bei:
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KfW-Bank (Kredite zur Praxiseröffnung)
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Existenzgründungsförderung in einigen Bundesländern
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Programm zur Förderung ländlicher Räume, wenn die Praxis in abgelegenen Regionen liegt
Schritt 7: Pflichtversicherungen
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Berufshaftpflichtversicherung (Schutz bei Behandlungsfehlern)
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Versorgungswerk der Ärzte (ärztliches Versorgungssystem/Rente)
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Gewerbliche Versicherung für Räume und Ausstattung (Gewerbliche Versicherung)
Schritt 8: Praxismanagement
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Einsatz einer Praxissoftware für Patientenverwaltung und Abrechnung
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Einstellung einer qualifizierten MFA (Medizinische Fachangestellte)
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Erstelle einen klaren Businessplan mit:
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erwarteter Patientenzahl
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Abrechnungsmodell (GKV, PKV)
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Zielen für Ausbau oder Spezialisierung
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Schritt 9: Praxismarketing
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Professionelle Website erstellen
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Eintrag in Google Maps
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Anmeldung bei Arztportalen wie Jameda und Doctolib
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Werbung im lokalen Umfeld auf rechtlich zulässige Weise (ausdrückliche kommerzielle Werbung für Ärzte ist nicht erlaubt)
Schritt 10: Kontinuierliche Prüfung und Fortbildung
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Jährliche Weiterbildung-Punkte sammeln, um die Zulassung zu behalten
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Verträge mit der KV jährlich überprüfen
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Finanzielle und operative Leistung laufend analysieren
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