Der Kita-Bereich in Deutschland leidet seit Jahren unter einem massiven Mangel an qualifizierten Erzieherinnen und Erziehern. Schätzungen zufolge werden bis zum Jahr 2023 mehr als 98.000 Fachkräfte benötigt, mit einem erwarteten Anstieg auf rund 230.000 bis 2030. Um dieser Entwicklung zu begegnen, wurden verschiedene schnelle Qualifizierungsprogramme und Initiativen gestartet, die insbesondere Menschen ansprechen sollen, die sich beruflich neu orientieren möchten und ein Interesse am pädagogischen Bereich mitbringen. (landing.talentorange.com)
Programme der Schnellqualifizierung und aktuelle Initiativen
1. Praxisintegrierte Ausbildung (PiA)
Die Praxisintegrierte Ausbildung (PiA) gilt als eines der zentralen Modelle der Erzieher*innenausbildung. Sie verbindet theoretische Inhalte an Fachschulen mit praktischer Arbeit direkt in Kitas oder anderen Einrichtungen der Kinderbetreuung.
Ein wesentlicher Vorteil:
Teilnehmende erhalten während der gesamten Ausbildungszeit ein monatliches Gehalt, was PiA besonders attraktiv für Quereinsteiger*innen macht, die nicht mehrere Jahre ohne Einkommen überbrücken können.
2. Programm „Chance Quereinstieg“
Das Programm „Chance Quereinstieg“, das unter anderem aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird, richtet sich speziell an Menschen, die ihren bisherigen Beruf aufgeben oder wechseln möchten und in die pädagogische Arbeit einsteigen wollen.
Das Programm umfasst:
-
eine Kombination aus praktischer Mitarbeit in Kitas und
-
theoretischem Unterricht zu Pädagogik, Entwicklung, Recht und Kommunikation,
-
sowie finanzielle Unterstützung für die Teilnehmer*innen, um den Übergang in den neuen Beruf zu erleichtern.
3. Kolping Akademie (Kolping Akademie)
Die Kolping Akademie in Fürstenfeldbruck bietet ein spezielles Programm für berufliche Umsteiger*innen an.
Dort können Personen, die bereits Erfahrung in der Kinderbetreuung gesammelt haben (z. B. als Tagesmutter, Integrationshelfer*in oder in anderen Betreuungssettings), innerhalb von zwei Jahren eine anerkannte pädagogische Qualifikation erwerben.
Der Bildungsgang verbindet:
-
theoretische Module (Pädagogik, Didaktik, Entwicklungspsychologie, Recht),
-
mit praktischen Einsätzen in Einrichtungen,
-
und bietet zusätzlich finanzielle Unterstützung und Begleitung während der Qualifizierung. (landing.talentorange.com)
Finanzielle Förderung und Erleichterungen
Der deutsche Staat unterstützt Qualifizierungsmaßnahmen im pädagogischen Bereich unter anderem über das Gesetz zur „Qualifizierungschance“ (Qualifizierungschancengesetz).
Dieses Gesetz ermöglicht:
-
eine Kostenübernahme von bis zu 100 % der Weiterbildungs- und Ausbildungskosten,
-
finanzielle Entlastung sowohl für Träger und Einrichtungen als auch für einzelne Teilnehmende,
-
bessere Chancen für Menschen, die sich neu orientieren und langfristig im Kita-Bereich arbeiten möchten. (itb-net.de)
Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland
Programme wie „TalentOrange“ tragen dazu bei, pädagogische Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen.
Sie unterstützen u. a. durch:
-
Begleitung im Verfahren zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse,
-
Sprachkurse und Vorbereitung auf den Berufsalltag in Deutschland,
-
organisatorische Hilfe bei Einreise, Integration und Arbeitsplatzsuche.
Auf diese Weise helfen solche Programme konkret dabei, die Lücke im Fachkräftemangel im Kita-Bereich zu verkleinern. (landing.talentorange.com)
Herausforderungen und kritische Stimmen
Trotz aller Anstrengungen weisen viele Expert*innen darauf hin, dass zu stark verkürzte oder beschleunigte Ausbildungen Risiken bergen können.
Kritikpunkte sind unter anderem:
-
mögliche Einbußen bei der pädagogischen Qualität,
-
unzureichende Zeit für Reflexion, Praxisbegleitung und Vertiefung,
-
die Gefahr, dass der Beruf der Erzieher*in „verschult“ und auf reine Betreuung statt Bildung reduziert wird.
Daher wird immer wieder betont, dass Qualitätssicherung und hohe Standards in der Ausbildung nicht zugunsten der Geschwindigkeit geopfert werden dürfen.
Fazit
Schnellqualifizierungsprogramme und neue Ausbildungsmodelle sind ein wichtiger Baustein, um den akuten Fachkräftemangel im Kita-Bereich in Deutschland zu bekämpfen.
Gleichzeitig gilt:
-
Ohne klare Qualitätsstandards in Ausbildung und Praxis
-
und ohne ausreichende Begleitung, Supervision und Weiterbildung
besteht das Risiko, dass der kurzfristige Gewinn an Personal zu Lasten der pädagogischen Qualität und der Kinder geht.
Deshalb sollten politische Maßnahmen, Träger und Ausbildungseinrichtungen immer das Doppelte Ziel im Blick behalten:
mehr Fachkräfte gewinnen – und gleichzeitig das Qualitätsniveau der frühkindlichen Bildung sichern oder sogar verbessern.
Das Autor*innen-Team dieser Website ist bemüht, durch sorgfältige Recherche und die Nutzung mehrerer Quellen möglichst genaue Informationen bereitzustellen. Dennoch können Fehler auftreten oder Angaben unvollständig bzw. nicht endgültig gesichert sein. Bitte betrachten Sie die Informationen in diesem Artikel daher als erste Orientierung und wenden Sie sich für verbindliche, aktuelle Auskünfte stets an die zuständigen Behörden, Weiterbildungsträger oder Fachberatungen.