Frühes Hörscreening (Neugeborenen-Hörscreening)
Das Neugeborenen-Hörscreening ist eine der wichtigsten medizinischen Untersuchungen, die in Deutschland in den ersten Lebenstagen bei nahezu jedem Neugeborenen durchgeführt wird – meist noch vor der Entlassung aus dem Krankenhaus.
Ziel der Untersuchung ist es, angeborene Schwerhörigkeit oder Taubheit möglichst früh zu erkennen, um Behandlung und Förderung so schnell wie möglich beginnen zu können.
Was ist das Neugeborenen-Hörscreening?
Es handelt sich um einen schmerzfreien und schnellen Test, mit dem die Hörfähigkeit des Neugeborenen überprüft wird.
Dabei kommen sehr empfindliche Messgeräte zum Einsatz, die die Reaktion des Ohres auf Schallreize erfassen – auch dann, wenn das Kind äußerlich keine Auffälligkeiten zeigt und noch keine Anzeichen für eine Hörstörung sichtbar sind.
Wie wird untersucht?
Es kommen in der Regel einer der beiden folgenden Tests oder beide zum Einsatz:
| Test | Was wird geprüft? | Dauer |
|---|---|---|
| OAE (Otoakustische Emissionen) | Misst die Schallantworten des Innenohrs (Cochlea) auf einen akustischen Reiz | Weniger als 5 Minuten |
| AABR (Automated Auditory Brainstem Response) | Misst die Reaktion des Hörnervs und der Hirnstammregionen auf Schallreize | Ca. 10–15 Minuten |
Die Untersuchung erfolgt meist, wenn das Kind schläft oder ruhig ist.
Dazu wird ein kleiner Ohrstöpsel (Hörsonde) in den Gehörgang eingesetzt und beim AABR zusätzlich kleine Elektroden auf der Kopfhaut bzw. an Stirn und hinter den Ohren angebracht.
Wann findet die Untersuchung statt?
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In der Regel zwischen dem 2. und 4. Lebenstag
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Meist im Krankenhaus vor der Entlassung
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Wenn das Kind zu Hause oder in einem Geburtshaus (Geburtshaus) geboren wird, sollten die Eltern das Hörscreening innerhalb der ersten Lebenswochen organisieren – zum Beispiel über Kinderarztpraxis oder spezialisierte Zentren.
Ist die Untersuchung verpflichtend?
Rein rechtlich ist das Neugeborenen-Hörscreening nicht gesetzlich verpflichtend, wird aber:
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von Fachgesellschaften (z. B. STIKO / entsprechende Leitlinien) dringend empfohlen,
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im gelben Untersuchungsheft (Gelbes Heft) dokumentiert.
In vielen Bundesländern existieren zudem Erinnerungssysteme, die Eltern kontaktieren, wenn das Screening nicht durchgeführt wurde, um auf die Bedeutung der Untersuchung hinzuweisen.
Wer übernimmt die Kosten?
Alle gesetzlichen Krankenkassen (GKV) übernehmen die Kosten des Neugeborenen-Hörscreenings vollständig.
Für Eltern ist die Untersuchung kostenfrei.
Was passiert bei unklarem oder auffälligem Ergebnis?
Ein unauffälliges Ergebnis bedeutet, dass das Gehör des Kindes mit hoher Wahrscheinlichkeit normal funktioniert.
Ein unklares oder auffälliges Ergebnis heißt jedoch nicht automatisch, dass das Kind dauerhaft hörgeschädigt ist. Gründe können sein:
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Flüssigkeit im Gehörgang oder Mittelohr
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Unruhe oder Bewegung während der Messung
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Technische Störungen
In diesem Fall:
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wird der Test meist nach einigen Tagen oder Wochen wiederholt, oder
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das Kind wird zu einer/m pädaudiologischen Facharzt/Fachärztin (Pädaudiologe) überwiesen, um ausführlichere und genauere Hörprüfungen durchzuführen.
Warum ist das Screening so wichtig?
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Kinder, die nicht oder schlecht hören, entwickeln Sprache und Sprechen verzögert, wenn die Störung nicht früh bemerkt und behandelt wird.
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Je früher eine Hörstörung entdeckt wird, desto besser sind die Chancen auf eine nahezu normale Sprachentwicklung – zum Beispiel durch:
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Hörgeräte,
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intensive Hör- und Sprachtherapie,
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oder bei ausgeprägter Schwerhörigkeit durch ein Cochlea-Implantat.
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Früherkennung ermöglicht, dass Fördermaßnahmen in den ersten Lebensmonaten beginnen – eine entscheidende Phase für die Sprach- und Hirnentwicklung.
Kurze Zusammenfassung
| Element | Details |
|---|---|
| Name | Neugeborenen-Hörscreening |
| Zeitpunkt | In den ersten 4 Lebenstagen (meist im Krankenhaus) |
| Dauer | Ca. 5–15 Minuten |
| Kosten | Kostenlos (vollständig von der Krankenkasse übernommen) |
| Dokumentation | Eintrag im Gelben Heft |
| Nutzen | Frühzeitige Erkennung von Hörstörungen und bessere Chancen auf eine normale Sprachentwicklung |
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