Die Militärausgaben in Europa steigen seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Jahr 2022 deutlich an. Diese sicherheitspolitischen Veränderungen haben die Verteidigungsprioritäten innerhalb der Europäischen Union und der NATO grundlegend verändert.
Der Militärexperte Oberst Hatem Karim Al-Falahi sieht Europa an einem historischen Wendepunkt und spricht von einem „klaren Wettrüsten zwischen den Staaten“, ausgelöst durch neue sicherheitspolitische Bedrohungen.
Al-Falahi betonte, dass ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung die veränderte US-Politik sei. Die amerikanische Strategie für 2026 sehe vor, dass Washington nicht länger bereit sei, die wirtschaftlichen Lasten für die Verteidigung der internationalen Ordnung zu tragen.
Die USA fordern von ihren Verbündeten, die Militärausgaben auf bis zu fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Dies zwingt die europäischen Staaten, ihre Arsenale eigenständig auszubauen, statt auf amerikanische Unterstützung zu setzen.
Zusätzlichen Druck üben die direkten Bedrohungen durch Russland aus, die viele Länder zu einer Neubewertung ihrer Verteidigungspolitik veranlasst haben.
Ein Beispiel ist Deutschland: Dort wurde ein Sonderfonds von 100 Milliarden Euro eingerichtet, um die Bundeswehr neu aufzubauen und auszurüsten. Die Militärausgaben beliefen sich in diesem Jahr auf rund 50 Milliarden Euro, darunter 21 Milliarden für die Modernisierung der Ausrüstung und Uniformen, vier Milliarden für Schützenpanzer vom Typ „Puma“, 1,5 Milliarden für Drohnen sowie Investitionen in Patriot-Luftabwehrsysteme, Satellitenaufklärung und Panzer.
Al-Falahi geht davon aus, dass die Ausgaben weiter steigen werden, da moderne Kriegsführung zunehmend Cyberangriffe, elektronische Kriegsführung, digitale Spionage, Drohnen und Störtechnologien umfasst. Dies zwingt die Staaten, ihre Armeen sowohl zahlenmäßig als auch technologisch neu aufzustellen.
Quellen - Agenturen