Forschungsmöglichkeiten für Assistenzärzte: Wissenschaftliche Publikationen und die Teilnahme an medizinischen Kongressen

Forschungsmöglichkeiten für Assistenzärztinnen und Assistenzärzte in Deutschland sind nicht nur vorhanden, sondern können der Schlüssel zu beruflicher Exzellenz und späteren Karriereschritten in akademische oder leitende Positionen (Oberarzt, oder sogar Dr. med. habil) sein. Hier ein umfassender und praxisnaher Überblick, wie Sie diese Chancen nutzen können:

1. Warum wird wissenschaftliche Tätigkeit für Assistenzärzte empfohlen?

Vorteil

Erläuterung

Stärkung des Lebenslaufs

Publizierte Arbeiten verschaffen Ihnen einen klaren Vorteil bei Beförderungen und bei der Bewerbung auf Facharztausbildungsstellen.

Voraussetzung für bestimmte Programme

Einige Fachrichtungen (z. B. Onkologie, Kardiologie, Neurologie) bevorzugen Bewerber mit nachweisbarer Forschungstätigkeit.

Türöffner für die akademische Laufbahn

Erhöht Ihre Chancen auf eine spätere Tätigkeit an Universitäten oder in Forschungsinstituten.

Ausbau des beruflichen Netzwerks

Kontakt zu Forschern, Betreuern und Kollegen über Kongresse, Publikationen und Kooperationen.


2. Wie beginnen Sie als Assistenzarzt / Assistenzärztin mit der Forschung?

Schritt 1: Forschungschancen in der eigenen Abteilung erkunden

  • Fragen Sie Ihren Oberarzt oder den/die Vorgesetzte:n direkt:
    „Gibt es laufende Forschungsprojekte, bei denen ich mitarbeiten kann?“

  • Beobachten Sie, wer in Ihrem Team regelmäßig publiziert, und sprechen Sie diese Personen gezielt an.

  • Beteiligen Sie sich an der Aufarbeitung seltener Fälle oder an Fallanalysen (Fallberichte, Case Reports).

Schritt 2: Den passenden Forschungstyp für sich wählen

Typ

Erläuterung

Case Report

Fallbericht über einen seltenen oder besonderen klinischen Fall – ideal für Einsteiger.

Retrospektive Studie

Statistische Auswertung bereits vorhandener klinischer Daten aus der Krankenhausdokumentation.

Studien mit Laborarbeit

Benötigen eine entsprechende Infrastruktur (Labore, Forschungsgruppen), häufig an einer Uniklinik angesiedelt.

Multizentrische Studie

Beteiligung an nationalen oder internationalen Studien mit komplexer akademischer Koordination.


3. Publizieren in wissenschaftlichen Zeitschriften (Publikationen)

Wann können Sie publizieren?

  • Nach Bewilligung des Projekts durch die Ethikkommission

  • Wenn Sie die Unterstützung eines Betreuers / Supervisors haben

  • In der Regel in Kooperation mit einem oder mehreren erfahrenen Ärzten (z. B. Oberarzt, Facharzt)

Mögliche Zeitschriften:

Typ

Beispiele

Nationale Journale

Deutsches Ärzteblatt, Der Internist, NeuroTransmitter

Internationale Journale

The Lancet, BMJ, JAMA – in der Regel im Rahmen starker, etablierter Forschungsgruppen

Eine Publikation auf Deutsch ist vollkommen anerkannt, insbesondere für die Karriere in Deutschland.
Publikationen auf Englisch eröffnen Ihnen zusätzlich eine internationale Sichtbarkeit und Zitierbarkeit.


4. Teilnahme an medizinischen Kongressen (Kongresse)

Warum sollten Sie Kongresse besuchen?

Grund

Nutzen

Netzwerken

Sie treffen Ärztinnen und Ärzte aus anderen Kliniken, Universitätszentren und Forschungsinstituten.

Wissensgewinn

Sie bleiben auf dem neuesten Stand zu aktuellen Studien, Leitlinien und neuen Medikamenten.

Eigene Präsentation

Sie können Ihre Arbeit als Poster oder Vortrag (Vortrag / Oral Presentation) vorstellen.

Finanzielle Unterstützung

Einige Verbände, wie z. B. der Marburger Bund, fördern Kongressteilnahmen mit Zuschüssen von ca. 500–800 €.

Wichtige Kongresse in Deutschland (Beispiele):

Fachgebiet

Kongress

Allgemeinmedizin

DEGAM-Kongress

Kardiologie

DGK-Kongress (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)

Neurologie

DGN-Kongress

Chirurgie

DGCH-Jahrestagung

Onkologie

DKG-Kongress


5. Konkrete Schritte, die Sie sofort umsetzen können

  • Definieren Sie Ihr Forschungsinteresse (z. B. Kardiologie, Intensivmedizin, Neurologie).

  • Sprechen Sie eine:n erfahrenere:n Kollegen:in in Ihrer Abteilung aktiv auf laufende Projekte an.

  • Melden Sie sich zunächst als Teilnehmer:in zu einem medizinischen Kongress an, um ein Gefühl für Themen und Formate zu bekommen.

  • Schlagen Sie Ihrem / Ihrer Betreuer:in vor, gemeinsam einen Case Report zu verfassen.

  • Verfolgen Sie regelmäßig die Fachzeitschriften in Ihrem Gebiet, um den Stil, Aufbau und die Anforderungen an Artikel besser zu verstehen.


Redaktioneller Hinweis

Das Autor:innen- und Redaktionsteam dieser Website ist bemüht, durch umfassende Recherche und die Nutzung mehrerer Quellen möglichst präzise und aktuelle Informationen bereitzustellen.
Dennoch können Fehler oder nicht vollständig gesicherte Angaben nicht ausgeschlossen werden.
Bitte betrachten Sie die Inhalte dieses Artikels als erste, unverbindliche Orientierung und wenden Sie sich für verbindliche Auskünfte immer an die zuständigen Fachgesellschaften, Ärztekammern oder Behörden.


Teilen: